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Klassizismus ( 1760 - 1870)
Der Klassizismus wird in Deutschland allgemein als gebräuchliche Bezeichnung für jene Stilstufe der abendländischen Kunst bezeichnet, die in der 2. H. des 18. Jhs. als Gegenbewegung zum Barock und - Rokoko entsteht und in der i. H. des 19. Jhs. vom Historismus abgelöst wird.
![]() Claude Lorrain war einer der bedeutendsten Maler des Klassizismus. Er prägte, zusammen mit Nicolas Poussin, die französische Malerei im Laufe des 17. Jahrhunderts. Claude Lorrain wurde im Jahre 1600 in Champagne bei Nancy geboren. Er starb am 23. November 1682 in Rom, wo er auch den größten Teil seines Lebens verbrachte.
Die hier abgebildete "Belagerung von La Rochelle durch die Truppen Ludwig XIII." entstand im Jahre 1631. Das Original befindet sich in Paris, Louvre.
Die Bewegung begann in den 50er Jahren des 18.Jhs. als Reaktion auf den späten Barock und das Rokoko; in ihr spiegelt sich das allgemeine Verlangen dieser Zeit nach festen Regeln, die das Ergebnis aus Naturgesetz und rationalen Überlegungen sein sollten. Für Kunst und Architektur bedeuten sie eine Rückkehr zu »edler Einfalt und stiller Größe«, die Winckelmann als Grundzug der griech. Kunst ansah. So richtete man von neuem die Aufmerksamkeit auf antike Bauten in Europa und Kleinasien, und Piranesis Stiche, in denen formale und räumliche Aspekte so stark betont werden, schufen ein ganz neues Bild der römischen Architektur. Man lehnte jetzt >unrichtige< Motive ab und verwendete nur die, die sich archäologisch als richtig erwiesen hatten. Dennoch führte dies nur selten dazu, dass man griech. oder röm. Gebäude einfach kopierte, was auch in den theoretischen Schriften nie empfohlen wurde. Theoretiker wie Laugier und Lodoli forderten eine rationale Architektur, beruhend auf Regeln, die auch der römischen Architektur zugrunde lagen. Mit diesen neuen Vorstellungen verband sich in zunehmendem Maße ein Hang zum Ursprünglichen; man glaubte, Kunst wie Gesellschaft seien in ihrer einfachsten Form am reinsten und besten gewesen.
Diese Sehnsucht nach Einfachheit führte auch zur Entwicklung einer Architektur aus rein geom. Formen Kubus, Pyramide, Zylinder und Kugel, die ihre klarste Ausprägung in den Entwürfen von - Boullee, Ledoux und Gilly und in den Bauten von Soane in England, von Latrobe in den USA und von Sacharow in Rußland fand.
![]() Stilmerkmale:
Klassizistische Bauten sind in der Regel von strenger Monumentalität. Dekor wird sparsam verwendet, manchmal wird ganz auf ihn verzichtet. Die Säulenordnungen sind häufig konstruktiv bedingt und nicht mehr reines Dekorationselement, sie tragen Gebälke und dienen nicht nur als Wandverkleidung. Ungebrochene Konturen betonen und verdeutlichen innen wie aussen die räumliche Ordnung. Das zum Gesamtkunstwerk tendierende organische Bauprinzip des Barock, das durch ein zwangloses Ineinandergreifen der einzelnen Teile eine Einheit entstehen liess, wird nun ersetzt durch eine blockhafte Baugliederung, die die einzelnen geom. konzipierten Bauteile streng umreisst und sie additiv, manchmal unvermittelt, nebeneinander anordnet.
Im frühen 19.Jh. wichen diese strengen Prinzipien einer mehr malerischen und auf Eleganz angelegten Baukunst (Architektur); das Dekor wird reicher, das Verhältnis zur Vergangenheit literarischer. In Frankreich orientiert man sich jetzt am reichen, luxuriösen und ausdrucksstarken Stil der römischen Kaiserzeit; nach Napoleons Feldzug werden auch ägypt. Motive übernommen. In England kommt es nach den Meisterwerken Robert Adams zu dem eleganten, gefälligen Klassizismus von Nash. Im Verlaufe der Entwicklung wird der Klassizismus in Europa, den USA und in verschiedenen europ. Kolonien immer mehr zu einer reinen Wiederbelebung von griech., röm. und Renaissanceelementen. Zwar entstehen weiterhin zahlreiche ausgezeichnete Bauten, doch es gibt keine Fortentwicklung mehr. Wie sehr der Klassizismus zu dieser Zeit bereits seine prägende Kraft verloren hat, lässt sich daran erkennen daß führende Architekten wie Schinkel oder Nash gleichzeitig Bauwerke in anderen europäischen Stilarten entwarfen und damit den Historismus einleiten. |
| Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 16. Februar 2010 um 11:03 Uhr |
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